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Plaudereien aus der Färbeküche

die erste Farbe…. Macke (grosses Feld links unter dem Haus)
Design: BIZ – Ausführung Christiane (DE)

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Wie alles begann...

Schon seit ihrer  Jugend hat Bärbel Ingeborg Zimber (BIZ) immer wieder verschiedene Kunstformen gemischt. Die intensive Beschäftigung mit dem Sticken liess sie immer mehr Maler finden, die sich auch mit textilen Techniken beschäftigt haben. Allen voran die Künstler aus der Gruppe “Der Blaue Reiter” um Kandinsky, Klee, Macke, Marc. Wie auch, weniger bekannt, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin.

Spanischer Schal
freie dreidimensionale Stickerei
auf handgefärbtem Seidenorganza
appliziert auf handgeschnitztem Speckstein
© BIZ

Vor ihrer Stick-Ausbildung war sie eine begeisterterte Anhängerin der Impressionisten mit wenig Neigung, auch einmal nach rechts oder links  zu schauen. Während ihrer Ausbildung änderte sich dies ganz langsam und vor allem Expressionisten drängten sich immer mehr in den Vordergrund. Die Klarheit der Formen und die intensive Ausstrahlung der Farben lassen die Finger jeder Nadel-Enthusiastin kribbeln.

Als BIZ ein kleines Büchlein “Kunsthandwerkliche Arbeiten August Mackes” in die Hände fiel und sie darin Stickentwürfe von August Macke fand, war es um sie geschehen. Einige Zeit später hatte sie sogar das Glück, auf einer Ausstellung des Rosgarten Museums in Konstanz “Fünfhundert Jahre Sticken in Deutschland” eine Stickerei zu sehen, die von August Macke entworfen und gestickt war. 

Gleichzeitig fand BIZ in der Auto-Biographie des mit Macke befreundeten Kinderarztes C. Lindenbergs eine Stelle, die beschreibt, wie er die Familie Macke kurz nach dem frühen Tod August Mackes besuchte und diese im trauten Kreis zusammen sass und nach Entwürfen von Macke stickte.

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...immer beliebter wurde...

Das erste Bild, das BIZ in eine textile Technik umsetzen wollte, war “Der Kreuzberg bei Bonn” eine Aquarell-Kreide-Arbeit von August Macke (siehe Abbildung oben). Das Garn sollte nicht ein gleichmässiger Rhythmus sich wiederholender Farbfolgen sein, sondern eine bunte Komposition der verwendeten Farben. Lange Wochen des Experimentierens mit verschiedenen Färbemethoden, die Handfärbern heutzutage mit modernen Grundmaterialien zur Verfügung stehen, führten dann zu der von ihr entwickelten Painters Technik, mit der diese Wirkung erzielt werden konnte.

Dies entspricht auch in ganzem Umfang dem, was die kleine Färbe-Manufaktur den modernen Handsticker*innen bieten möchte: Exklusivität und Extravaganz. Es handelt sich dabei nicht mehr um ein einfärben im herkömmlichen Sinne, sondern ein Bemalen der Garne mit einer ausgefallenen Technik.

Nach  Fertigstellung des Projektes waren die  Student*innen  der International School for Textile Arts und andere Besucher*innen so begeistert von diesem Garn, dass sie es auch gerne ausprobieren wollten.

So entstand langsam der Gedanke, aus dieser Art der Handfärbung eine Reihe zu machen. Allerdings zuerst nur für den Gebrauch in einer Serie von Stickpackungen, die leider aus der Planungsphase noch nicht herausgekommen ist, in der es um die Umsetzung von Gemälden in textile Techniken geht.

Irgendwann sind die Garne dann auf nicht mehr nachvollziehbaren Wegen in die Hände von Kreuzstich-Designern gefallen und haben deren Herz erobert. Jetzt begann das Rad zu rollen! BIZ stand nun da mit einerseits der Freude, dass dieses Garn viele Freunde gefunden hat und mit andererseits mit dem Wissen, dass diese Art der Handfärbung ein reproduzierbares Ergebnis nicht möglich macht…

Textil-Süchtige wären aber nicht solche, wenn sie sich von so einer Kleinigkeit unterkriegen lassen würden! Also wurde die Technik perfektioniert und die Serienproduktion begonnen. Die Painters Threads Collection war geboren! Jede Farbe hat den Namen eines Malers (Nachname wie Macke) oder einer Malerin (Vorname wie Frida). Die Farben entsprechen denen, die diese Künstler*innen sehr häufig oder auf einem sehr bekannten Gemälde eingesetzt haben. Inzwischen haben sie eine weltweite Fan-Gemeinde, trotz – oder vielleicht gerade weil jedes Produkt ein absolutes Unikat ist.

Viele „sammeln“ die Painter’s Farben und freuen sich auf jede neue Färbung. Und die BIZ freut sich, dass aus einer kleinen Idee eine grosse Bewegung geworden ist und viele Menschen daran so viel Freude haben wie die Erfinderin der Painters Threads. 

Die erhältlichen Farben und Links zu den Informations-Seiten über die Namensgeber findet Ihr hier.

... und schliesslich


zu dem aktuellen kleinen Färbeimperium geworden ist!

Wo einmal alles mit 10 Döckchen pro Farbe und 5 Qualitäten begonnen hat, da tummeln sich heute über 40 verschiedene textile Produkte in insgesamt 40 Farben.  Inzwischen sind jährlich rund einhundertausend Döckchen und Stoffe unterwegs in die ganze Welt und machen auch die Arbeiten der Student*Innen der International School for Textile Arts zu etwas ganz Besonderem. 

Dies macht natürlich auch ein Umdenken in Hinsicht auf die Arbeiten vor und nach dem Färben notwendig. Wir sind oft gefragt worden, warum wir die Verpackung in den 25 Jahren zum dritten Mal wechseln. Nun um ganz ehrlich zu sein, seit wir vor 23 Jahren mit der Produktion begonnen haben, waren es sogar 5 Wechsel… Da gibt es zum Einen viele Lernprozesse zu bewältigen und mit dem Wachsen auch Arbeitsprozesse zu überdenken. Die Produktion von Strängchen ist sehr zeitintensiv und es gibt keine Möglichkeit, diese Aufgaben “out-zu-sourcen”. Die Masse der Strängchen, die vor dem Färben gewickelt und nach dem Färben gedreht und etikettiert werden mussten, war von uns alleine nicht mehr zu bewältigen. Der nächste “Gross-Versuch” waren unsere Headerbags, die auch nach wie vor noch im Einsatz sind. Hier ist die Beschaffung einer bezahlbaren Variante ein grosses Problem, da die weltweite Wirtschaft fast ausschliesslich auf Grossabnehmer ausgerichtet ist. Manche unserer Materialien sind darin nicht schonend unterzubringen, wie z. B. Soie de Paris und Soie Ovale. Das Eintüten ist wiederum eine Aufgabe, die nicht fremd-vergeben werden kann und somit unseren Zeitrahmen ein bisschen sprengte. 

So sind wir jetzt letztendlich auf die Snap-Spule gekommen… wie immer mehr Lieferanten, auch im Handstickbereich. Snapspulen können maschinell “befüllt” werden und einer unserer Hauptlieferanten hat sich liebenswerterweise bereit erklärt, diese Arbeit für uns zu übernehmen. Garnenden sind gut gesichert, die Materialien sind weniger anfällig für das Hängenbleiben an rauen Händen oder irgendwelchen Gegenständen. 

Die leeren Spulen können für Restgarne verwendet werden, zu kreativen Türvorhangen, textilem Schmuck oder auch anderen dekorativen Projekten verarbeitet werden. Unsere Fantasie ist auch hier die Grenze. Wir kennen inzwischen die Produktionswege sehr gut und haben uns auch viel mit Verpackungen beschäftigt. Und wir wissen inzwischen, dass Snap-Spools ressourcenschonender hergestellt werden können als Papierspulen. 

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Strängchenwickeln

Hier ist Heike schon bei der “3. Stufe”, einer teilautomatischen Wickelmaschine, von einem Werkzeugbauer auf den Motor einer Töpferscheibe aufgebaut. Davor haben wir die Strängchen einzeln über einen Karton gewickelt..

Färben

Hier hat sich bis heute nicht viel geändert… immer noch steht BIZ jede Woche für Stunden in der Färbeküche und geniesst es, aus weissen Garnen bunte zu machen​

Schleuderjob

Schleuderjobs hatte BIZ viele in ihrem Leben… aber diesen mag sie… wenn die Waschmaschine mal wieder ihr Gleichgewicht verliert, hat sie einfach ihres dagegen gesetzt und sich beim Schleudergang auf der Waschmaschine platziert!​

Trocknen

Schöne bunte Welt, auch hier ist der Prozess immer noch der gleiche wie vor 20 Jahren

Sonnenschein

Manchmal ist es allerdings einfacher, die Materialien, wie hier AMC – Karten, einfach ins Freie zu legen und zu hoffen, dass es nicht anfängt zu regnen oder zu stürmen!

grosse Stränge

So sieht es aus, bevor die Stränge zum Spulen auswandern…

Baden mal anders

… oder wenn wir die Badewanne zum Mischen von Kokons zweck-entfremden

Bügeln

manchmal muss der Herr des Hauses auch die Bügelmaschine bedienen

Messe - Nachlese

oder die Azubine die Strängchen nach einem Messebesuch wieder einsortieren

Ausser Haus

Auf Messen hatten unsere Azubinen neben der Arbeit auch viel Spass
(hier auf der Handarbeitsfachmesse h+h cologne) – zum Beispiel mit der Entdeckung, dass auf der Fachmesse so viele Männer mit Anzug und Krawatte rumlaufen…

Immer nur möglich mit ganz lieben Helfer*innen wie hier Manuela von Nadel und Faden in Freiburg auf der L’Aiguille en fete in Paris

und noch weiter weg

oder Jan auf der Handarbeitsfachmesse TNNA in Indianapolis (US)

Dieses nette Bild unserer beiden Azubinen möchten wir euch nicht vorenthalten. So einen liebevollen Versand findet ihr sicher nicht überall!